Australia Day 2014

Eine kleine Geschichte.

Mein Name ist Wolfgang Fricke und vor einigen Jahren habe ich erstmals Urlaub in Australien gemacht und seitdem fasziniert mich dieses Land. Es lässt mich nicht mehr los! Und irgendwann 2008 bin ich zum Australienstammtisch Nürnberg gestoßen.

Und heute, es ist der 08. Juli 2014, interessiert mich Australien nur indirekt. Das liegt daran, dass in ein paar Tagen am 12.07.2014 unser 8. Australia Day stattfindet. Oder stattfinden soll? Wie in den letzten Jahren ist auch alles vorbereitet: Der Grillplatz in Eschenau ist reserviert, Bierzeltgarnituren und Getränke bestellt, Holzkohle und Feuerholz besorgt. Alle Australienfreunde sind eingeladen und einige haben sich doch tatsächlich die Mühe gemacht und haben sich an- oder abgemeldet. Das hat die Organisation ein wenig leichter gemacht. Aber was nur in aller Welt macht mich so unruhig?

Unser kleines Organisationsteam hat doch alles richtig gemacht. Was ist es nur! Das Wetter - schießt es mir durch den Kopf. Und plötzlich wird mir bewusst, dass ich seit einigen Stunden alle möglichen Wetterdienste abfrage. Ganz mechanisch klopfen die Finger Stichworte in die Tastatur. Die Temperatur kennt für die nächsten Tage nur den Weg nach unten und der Wettergott will Regen schicken. Das geht doch nicht, schreit meine innere Stimme! Wir haben doch am Samstag unseren großen Tag. Ein ganzes Jahr intensiver Vorbereitungen liegen hinter uns. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber, lieber Wettergott, ein paar Stunden waren es schon. Stell doch den Wasserhahn ab. Oder hat der andere Wetterdienst Recht, der bis Freitag zwar Wetterverschlechterung verzeichnet, dann aber wieder steigende Temperaturen und Sonnenschein.

Es ist zum Verzweifeln. Ich sitze stundenlang vor meinem PC und wäge die Berichte ab. Soll ich eine Matrix zur Entscheidungshilfe erstellen, soll ich würfeln, den Kaffeesatz befragen? Oder soll ich ganz einfach auf die letzten Jahre vertrauen, in denen wir immer gutes Wetter, zumindest keinen Regen hatten?

Ein letztes Telefonat mit Martina am Freitagmorgen bringt dann die Entscheidung: Der Samstag findet statt … äh … der Australia Day am Samstag findet wie geplant statt! Das BBQ wird morgen um 15:00 Uhr eröffnet werden!

Beruhigt gehe ich am Abend schlafen und irgendwann in der Nacht hatte ich diesen Traum:

Sandra und ich standen bei der Brauerei Wiethaler, um die Bierzeltgarnituren und die bestellten Getränke in Empfang zu nehmen. Matthias sollte mit seinem Anhänger dazustoßen, denn dieses Transportmittel war schon nötig. Für den Grillplatz wähnte ich alles in bester Ordnung, denn Martina hatte den Schlüssel für das Toilettenhäuschen und auch für die Schranke, um einige Sachen direkt am Platz abzuladen. Die Zeit schritt voran und mir kamen Zweifel. Also fuhr Sandra zum Grillplatz, um nachzusehen. Einige Zeit später tauchte Matthias auf. Aber warum nur hatte er so einen roten Kopf? Er löste das Rätsel hierüber ganz schnell auf, indem er mich fragte, wo denn der Schlüssel für die Schranke sei. Sie hatten alle Sachen etliche Meter vom Auto zum Grillplatz tragen müssen, weil ich den Schlüssel für das Vorhängeschloss nicht von der Gemeinde Eckental mitgebracht hatte. Dieser Vorwurf traf mich schon leicht in der Magengrube, weil ich die Aufgabe des Schlüsseldienstes schon einige Male erfolgreich absolviert hatte. Und überhaupt sei laut Organisationskomiteeteambeschluss 12:00 als Treffen zum Abladen und danach Wiethaler vorgesehen. Noch so ein Tiefschlag! Ein wahres Unwetter an Mißverständnissen wurde offensichtlich. Aber „Unwetter“ hatte die Auslegung der Wetterberichte nie vorgesehen.

Und so schleppten wir dann verstärkt von einigen Helfern unsere Ausrüstung zu den Plätzen und Feuerstellen. Der Grillplatz verwandelte sich immer mehr in australisches Territorium durch Flaggen, Fähnchen, Wimpel, Koalas und Aufsteller. Ein kleines Transistorradio (kennt Ihr so etwas noch?) lieferte australische Musik und so waren die kleinen Unstimmigkeiten schnell vergessen.

Weil wir inzwischen fast alle einen roten Kopf nach dem Vorbild von Matthias hatten, zapfte Norbert mit wenigen, wuchtigen Schlägen das Fass an. Da ich nur dagegendrückte, damit es festen Halt hatte, zählte ich die Schläge und kam nicht mehr zur Zahl 16. Man muss sagen, dass Norbert ein kleines Metallhämmerchen hatte und keinen Holzschlegel und außerdem war der Hahn nicht bereits „vorgeschlagen“ wie bei den Kommunalpolitikern, die sich zu prächtig auf das Anzapfen verstehen. Und schon floß der Gerstensaft für die Aufbaumannschaft!

So nach und nach wurden die Helfer immer zahlreicher und dann wurden aus Helfern Besucher –halt Australienstammtischler- und immer mehr Plätze wurden für das BBQ belegt. Die Kaffeemaschine blubberte und eine lange Kuchentafel füllte sich mit Köstlichkeiten. Von dieser aus füllten sich unsere Bäuche und auch die Kaffeekasse füllte sich.

Insgesamt tummelten sich 30 auserwählte Aussie-Franken, 2 Oberpfalz-Aussies und 2 Aussie-Sachsen bei schönem Wetter auf dem Grillplatz. Hatte ich jemals an den Fähigkeiten des Wettergottes gezweifelt?

Martina hielt die Begrüßungsrede in bewährter Bravour und weil wir eine überschaubare, vertraute Gruppe waren, stellten wir unsere Spendendosen neben die Kaffeemaschine und die Getränke und daneben die „Spendenschilder“. Über eines habe ich mich jedoch gewundert: Ein Stück Kuchen sollte 1,- EURO wert sein und eine Tasse Kaffee 50 Cent. Als Sonderangebot empfahl jemand ein Stück Kuchen zusammen mit einer Tasse Kaffee für 2 Euro! Viele lachten darüber, aber ich habe keinen gesehen, der dieses Angebot annahm, und es lag auch keine Zweieuromünze in der Kaffeekasse.

Tief im Inneren der Schutzhütte stand die Pinwand mit den Bildern, die es zu prämieren galt. Ganze Trauben belagerten die Wand, bestaunten die Bilder und gaben ihre Bewertung ab. „And the Winner of the Oscar is …:

Angelika  "Kakadu Portrait"

Martina  "Aussie Strandhäuschen"

Sieglinde "Auto im Baum" (Gesamtsieger) !“.

Merkwürdig nur, dass Martina und Matthias bei der Bekanntgabe der Sieger verborgen miteinander tuschelten. Ein Bild des Bildreporters Gerhard belegt dies jedenfalls.

Große Fleischberge stapelten sich später auf den beiden Grillstellen und für kurze Zeit wurde es auf dem Grillplatz seltsam still. Das Fleisch, die Bratwürste, Steaks und auch die prächtigen Salate vom Buffet wanderten von den Tellern in die Bäuche. Und hierzu muss der Mund benutzt werden und dadurch ließen die Gespräche etwas nach.

Ich sah mich in meinem Traum versonnen über den Grillplatz laufen, neben dem sich inzwischen auch drei kleine Zelte und zwei Wohnmobile für Übernachtungsgäste bereithielten. Ich sah mich wegen des Wetters zweifeln, aber nun fiel mir die Last ab und ich sah mich noch tief seufzen. „Nächstes Jahr werde ich über das Wetter keinen Gedanken verschwendet“ hörte ich mich noch sagen.

Als dann gegen 21:00 Uhr ein kleines Lagerfeuer entfacht wurde, hatten bereits einige BBQ-Freunde das Fest verlassen. Fehlendes Bier konnte nicht der Grund dafür sein, denn das 30l Fass war noch nicht ganz leer. Aber kurz nach Einbruch der Dunkelheit gab es nur noch Getränke in Flaschen. Um das Lagerfeuer herum saß eine kleine Gruppe Aufrechter. Kleine Geschichten machten die Runde und zwischendrin durften wir reihum in ein Didgeridoo sabbern. Obwohl das eigentlich etwas zu negativ ist, denn es gelangen doch auch melodische Tonfolgen.

Über die Zeit nach 01:00 Uhr in der Nacht hatte mein Traum keine Aufzeichnungen. Vielleicht habe ich mich in der Zeit im Bett auch ein paarmal umgedreht und dadurch den Traum unterbrochen, denn erst als es schon später hell wurde, waren wieder Bilder verfügbar. Leider fielen nun Regentropfen auf die Zelte. Jedenfalls war das eigentliche BBQ trocken geblieben! Und so nach und nach mehrten sich die Helfer für den Abbau und wieder mußten alle Kästen, Bierzeltgarnituren usw. etliche Meter zum Auto getragen werden, was man durchaus auch als Frühsport bezeichnen kann. Als der Platz bis auf die Schutzhütte aufgeräumt war (in dieser ganzen Zeit hatte der Regen Sendepause), wir ein kleines Frühstück hatten und dann auch hier alles in den Zustand von gestern Mittag versetzt hatten, kam der Mann von der Gemeinde zu Abnahme und brachte einen heftigen Regenguss mit. So etwas hatten doch tatsächlich einige Wetterdienste auch für den Samstag vorhergesagt. Naja – halt Wetterfrösche!!! Wegen der Schranke meinte er noch, dass dieser Schlüssel nicht ausgegeben wird, sondern dass wir nur sagen sollten, dass aufgesperrt werden solle, dann paßt schon alles. Ich sah mich doch nun tatsächlich im Traum mit der flachen Hand auf die Stirn schlagen und hörte mich „Stimmt, jetzt fällts mir wieder ein“ murmeln.

Zufrieden und gut gelaunt fuhren wir dann alle heim und verabschiedeten uns mit dem Hinweis auf den nächsten Stammtisch am 26.09.14 und auf gute Planungen für den Australia Day 2015.

Am nächsten Morgen wachte ich erholt und gut ausgeschlafen auf. „So, jetzt machen wir noch ein ordentliches „Full-Herpersdorf- Breakfast“ und machen uns gegen 11 Uhr auf den Weg zum Australia Day. Martina hat schon alle Schlüssel für den Grillplatz und wir fahren gleich nach Neunhof zur Brauerei. Dann kann der 8. Australia Day in aller Ruhe starten“.

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